Monatsrückblick September-Oktober 2022: zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt

Marianna Sajaz

(K)ein Urlaub in der Ukraine

Erste Augustwochen verbringe ich seit über zwanzig Jahren normalerweise in meinem Heimatdorf in der Ukraine, in unserem Haus in den Karpaten. Ich genieße es sehr, zumindest einmal im Jahr zurück zu meinen Wurzeln zu kommen, Verwandte und alte Freunde zu sehen, in den Wald oder zum Fluss zu gehen und den Bauch mit köstlichen traditionellen Gerichten vollzuschlagen.

Maxim Dutov
Maxim Dutov

Diese und weitere tolle Bilder hat mein Sohn in 2021 in der Ukraine gemacht.

Doch in diesem August mussten wir wegen des russischen Angriffs zu Hause bleiben. Zum einen ist es potenziell überall in der Ukraine lebensgefährlich, obwohl der Westen weniger beschossen und bombardiert wird. Zum anderen leben in unserem Haus Verwandte, die aus dem Kyiver Vorort Butscha und Zaporizhzhja geflüchtet sind.

Ciao, Brutalien!

Nachdem der Urlaub in der Ukraine ausgefallen ist, haben wir immerhin ein paar Tage in Italien genossen, auf einem Campingplatz nahe Venedig. Es war wie immer sehr schön, wir haben unsere Familienurlaube oft in Italien verbracht. Aber seitdem hier bekennende Faschisten regieren, geben wir wohl unser Urlaubsgeld lieber woanders aus. Kroatien soll auch sehr schön sein, weitere Urlaubstipps gerne willkommen;)

In diesem Zusammenhang denke ich, dass die Menschen mehr Gebrauch von ihrer Boycott-Macht machen sollten. Zusammen können wir viel bewirken auf dieser Welt, sei es mit unserem Einkauf oder bei der Urlaubsplanung. Würden z.B. genug Kunden den Konzern Metro boykottieren und empfindlichen Umsatzrückgang verursachen, würde er sich vielleicht aus Russland zurückziehen. Würden wir aufhören, mit Diktatoren und Terroristen Geschäfte zu machen, als sei es das Normalste auf der Welt, hätten sie nicht so viel Geld für ihre Gräueltaten.

Nachsitzen in Geschichte # 2

Anfang September startete die ukrainische Armee eine überraschende Offensive in der Region Charkiw und befreite in ein paar Tagen mehrere Tausend Quadratkilometer des ukrainischen Gebiets, erbeutete viel russisches Kriegsgerät und stellte die ach so unbesiegbare russische Armee bloß.

Wir saßen mit meiner Familie ein paar Tagen wie gebannt vor den Bildschirmen und verfolgten das Geschehen fast live, erneuerten immer wieder Newsfeeds, um nichts zu verpassen. Es war fast wie in den ersten Kriegstagen, nur mit einem positiven Vorzeichen. Damals beobachteten wir fassungslos und hilflos, wie die Russen einmarschierten, unsere Städte und Dörfer in Schutt und Asche legten und Millionen Menschen in die Flucht trieben.

Diesmal aber keimte eine ganz neue Hoffnung auf die mögliche Wende, auf die Befreiung der okkupierten Gebiete und die langsame Rückkehr zum normalen Leben auf. Und als die ukrainische Armee den strategisch wichtigen Eisenbahnknotenpunkt Isjum nach 6 Monaten in der Okkupation befreite, gab es einen großen Jubel. Videos, wie die wenigen übriggebliebenen Einwohner ihre Befreier tränenreich begrüßen, gingen viral.

Am selben Tag wird auch ein großer Gefangenenaustausch bekannt gegeben. Über 200 Soldaten, darunter eine schwangere Medizinerin, die Helden aus Azovstahl und einige ausländische Kämpfer, kommen frei. Es ist nicht auszudenken, welche Folter sie ertragen mussten, einfach dafür, dass sie Ukrainer sind und ihr eigenes Land verteidigt haben.

Als in Isjum kurz nach der Befreiung die Massengräber mit bis zu 1000 Leichen entdeckt werden, trübt sich die Stimmung wieder. Es ist ein schreckliches Déjà-vu, ähnliche Gräueltaten hat die Welt schon im April gesehen, als Kyiver Vororte Butscha, Irpin und Hostomel befreit wurden. Einmal mehr haben die Russen ihre wahre Natur und ihre wahren Absichten gezeigt.

Im 20. Jahrhundert ertränkte Russland die Ukraine und andere Staaten im Blut, um die Sowjetunion zu gründen, Historiker gehen von über 20 Millionen Toten. Diese Verbrechen wurden in Russland nie wirklich aufgearbeitet und es wurden keine Lehren aus der Geschichte gezogen. Also müssen wir alle in Geschichte nachsitzen, weil Putins wahnsinnige Idee vom russischen Großreich so viele begeistert.

Ich kann mir diesen irrationalen Hass gegenüber der Ukraine und dem Westen nicht erklären. Es ist, als ob eine außerirdische Zombie-Armee den Planeten unbewohnbar machen wollte.

Dieses Foto aus Izjum wurde zum Symbol des Widerstands in von Russland besetzten Gebieten. Es erfordert einen unfassbaren Mut, dort die ukrainische Symbolik zu tragen und kann sehr leicht das Leben kosten. Viele Ukrainer, (auch ich, siehe Beitragsbild) tragen jetzt solche gelb-blauen Armbänder als Zeichen der Unbeugsamkeit und der Solidarität. Das böse Möchtegern-Imperium muss gestoppt und entwaffnet werden, es ist essenziell für Frieden und Demokratie in der ganzen Welt.

Meine Ausbildung als Bewusstseinsberaterin (fast) beendet

Im September gab es die letzte und sehr intensive Phase in meiner Ausbildung als Bewusstseinsberaterin (Consiousness Advisors Course) an der Maharishi International University. Jetzt gilt es, die abschließende Zertifizierung durchzulaufen, Präsentationen zu üben und einige Probeberatungen in Technologien des Bewusstseins zu geben. Es ist für die Menschen gedacht, die mehr über ihr eigenes Bewusstsein erfahren möchten und ihr Verständnis über die grundlegende Natur der Dinge vertiefen wollen.

Das Herzstück des Angebots ist die Transzendentale Meditation (TM), die inzwischen seit 60 Jahren gelehrt und von über 10 Millionen Menschen weltweit praktiziert wird. Doch es gibt auch andere Angebote wie bewusstseinsbasierte Bildung, Maharishi Ayurveda, Panchakarma, Yoga Asanas, Maharishi Aromatherapie, Maharishi Lichttherapie und vieles mehr. Meine Aufgabe als Beraterin wird es sein, potenzielle Interessenten über all diese Möglichkeiten zu beraten und auf ihrem Weg zum selbstbestimmten Leben zu begleitet. Der offizielle Start des Programms ist im Januar, und bis dahin werde ich einige kostenfreie Beratungen gegen Feedback anbieten. Melde dich bei mir, falls du Interesse hast.

Teure Fortbildung im Urheberrecht

Ich habe eine Schadensersatzforderung wegen Urheberrechtsverletzung bekommen. Es handelte sich um ein Bild aus Kyiv in den ersten Kriegstagen, den ich in meinem vielgelesenen Artikel verwendet habe. Damals befand ich mich in einem emotionalen Ausnahmezustand, in fürchterlicher Sorge um mein Heimatland und meine Familie und Freunde in der Ukraine. Also habe ich ein Bild aus Facebook genommen und ihn in diesem Artikel verwendet, ohne an die Konsequenzen zu denken. Mir war damals jedes Mittel recht, um Menschen in Deutschland dazu zu bewegen, sich auch verantwortlich zu fühlen und etwas zu unternehmen.

Im Nachhinein betrachtet war es unfassbar dumm, einfach ein Bild aus den sozialen Medien zu verwenden und es gibt keine Entschuldigung für eine Urheberrechtsverletzung. Ich respektiere fremdes Eigentum, auch geistiges, und erwarte das von den Anderen. Also zahle ich brav und nehme mir vor, künftig besser aufzupassen und mich besser zu informieren.

Übrigens gibt es eine elegante Möglichkeit, fremden Content aus den sozialen Media zu nutzen. Man kann Posts einfach auf der eigenen Webseite einbinden, siehe oben das Beispiel.

Das habe ich im August und September verbloggt

Monatsrückblick Juli

12 von 12 im September 2022

Eine Buchrezension zu „One onbounded ocean von Consiousness“ von Dr. Tony Nader

Vedische Aspekte in der menschlichen Physiologie

12 von 12 im September 2022

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4 Kommentare

  1. Liebe Marianna,
    ich bin so berührt. Danke für diese Einblicke und diesen wertvollen Artikel!
    Es ist so unfassbar schlimm, was der Krieg in unseren Familien, unseren Seelen anrichtet.
    Möge Frieden einkehren, in uns und in der Welt!
    Alles Liebe, Birgit

    1. Danke, liebe Birgit! Wir alle wünschen uns Frieden, aber manchmal muss man dafür eben kämpfen, notfalls mit Waffen. Wenn man dem Bösen einfach das Feld überlässt, frisst es sich weiter rein und richtet noch mehr Schaden ein. Wir haben 20 Jahre Jahr russische Aggression gegen Georgien, Moldowa, Tschetschenien, Syrien einfach geschehen lassen und mit Putin Geschäfte gemacht und jetzt fliegt uns das um die Ohren.

  2. Liebe Marianna,
    Danke für diese Einblicke – es ist doch etwas anderes als Nachrichten zu schauen – die Eindringlichkeit erreicht mich dadurch unmittelbarer. Ich hoffe sehr, dass sich das Blatt wendet – viel Hoffnung habe ich allerdings nicht, vielmehr rechne ich noch mit Schlimmerem.
    Danke auch für den Tip, wie man SocMedia Postings einbinden kann – auch ich habe gerade eine teure Fortbildung hinter mir. Liebe Grüße, Korina

    1. Lieben Dank für deinen Kommentar! Ich habe noch die Hoffnung, und Millionen meiner Landsleute auch, sonst hätten sie dem Bösen schon längst das Feld überlassen, und russische Armee würde an der EU-Grenze stehen. Und in ein paar Jahren das Baltikum, Polen usw. angreifen. Das ist Putins erklärtes Ziel, nur hat man hier Angst, das anzuerkennen und dementsprechend zu handeln. Das bedeutet, die Ukraine noch mehr zu unterstützen und mit wirksamen Waffen für die Verteidigung auszustatten.

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