Monatsrückblick Mai-Juni 2023: Das ist so surreal!

Vier Menschen sitzen auf der Bank und schauen dem Sonnenuntergang zu

Erfolgreicher Abschluss der Ausbildung, Teilnahme an der Jubiläumsfeier, bittere Tränen am Strand- das war los bei mir im Mai und Juni 2023

Zertifizierung als Bewusstseinsberaterin

Seit über einem Jahr beschäftige ich mich in diesem Online-Kurs an der Maharishi International University in den USA intensiv mit den vedischen Technologien des Bewusstseins und habe das Gefühl, dass sich mein eigenes Bewusstsein dadurch enorm entwickelt hat. Und jetzt verstehe ich auch, warum das so ist.

In diesem Kurs habe ich nämlich gelernt, dass jede sinnliche Erfahrung und jeder Gedanke unsere Physiologie verändern. Auch wenn es zunächst mikroskopische Veränderungen sind, summieren sie sich und machen letztlich den Menschen aus, der wir sind. Es ist faszinierend, dass jeder Gedanke eine spezifische biochemische Kaskade in uns auslöst.

Also, nach den sehr intensiven Monate der Vorlesungen, Workshops und Übungen, Arbeit mit den Testklienten nun endlich die ersehnte Zertifizierung. Zusammen mit anderen frisch zertifizierten Bewusstseinsberatern weltweit warten wir auf den offiziellen Start des Angebots.

Zertifizierung als Bewusstseinsberaterin

Erkenntnisreiche Ayurveda-Reise nach Österreich

Im besagten Bewusstseinsberaterkurs ging es unter anderem auch um Ayurveda, die ja auch uralte vedische Technologie des Bewusstseins ist. In vedischer Philosophie wird Bewusstsein oder Brahman als die Grundlage der Schöpfung betrachtet. Vermutlich ist Ayurveda das weltweit älteste Gesundheitssystem und bedeutet übersetzt das „Wissen vom Leben“. Es umfasst viele Bereiche wie Ernährung, Bewegung, Licht, Heil- und Aroma-Kräuter und noch einiges mehr.

So entstand die Idee, diese Dinge selbst mal auszuprobieren und einige Experten aus dem Kurs persönlich kennenzulernen. Aber lese selbst, was daraus geworden ist.

Feier zum 50. Jubiläum der Volkshochschule Grafing bei München

Als ich vor fast genau 25 Jahren (ich kann es selbst kam glauben!) nach Deutschland kam, habe ich einen Deutschkurs an der VHS gemacht. Schon damals hat mich diese Institution fasziniert. Es kam mir seltsam und zugleich bewundernswert vor, dass Erwachsene freiwillig in die Schule gehen, um z.B. eine Fremdsprache oder Töpfern zu lernen. So etwas gab es damals in der Ukraine nicht, inzwischen gibt es aber viele Anbieter und jede Menge interessanten Kurse für Kinder und Erwachsene. Es freut mich sehr, dass der Wert der Weiterbildung weitersteigt.

Heute unterrichte ich an der Volkshochschule Grafing bei München und gebe Integrationskurse für Migranten. Wer hätte das gedacht! Umso mehr habe ich mich gefreut, als die Einladung zur Feier in meinem Postkasten fand.

VHS Grafing Einladung
Die Kollegen haben sich große Mühe gegeben, die Einladung und das Programm kreativ zu gestalten. Die Karte ist in 3D.

Die Feier fand statt in unserer Kreisstadt Ebersberg, in einem schönen Saal mit schöner Akustik, das Programm war wunderbar abwechslungsreich, witzig und tiefgründig moderiert von Perspektivenmagier Gaston Florin.

Besonders beeindruckte mich die Entstehungsgeschichte unserer VHS. Da war inzwischen verstorbene Annelore Walter, die von München aufs Land zog und keine Malkurse finden konnte. Also organisierte sie zusammen mit ihrer Familie welche, vom eigenen Wohnzimmer aus! Die Kinder wurden zum Austragen von Flyern und für Telefondienste eingespannt, im Hintergrund wurden kommunale Politiker überzeugt. Im September 1973 startete das erste Semester mit knapp 1000 Teilnehmern, inzwischen besuchen jährlich fast 19 000 Menschen die verschiedensten Kurse.

Der Ehemann von Frau Walter und ihr Sohn waren gemeinsam auf der Bühne und haben die Geschichte, gespickt mit lustigen Anekdoten, erzählt. Der Sohn, Dr. Jörg Walter, ist übrigens der Vorsitzende des Fördervereins.

Während des ganzen Abends dachte ich mir oft: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Ich habe höchsten Respekt vor den Menschen, die eigenverantwortlich etwas starten, weil sie an etwas glauben. Sehr inspirierend!

Der Höhepunkt des Abends war die Ehrung der langjährigen Dozenten, eine davon war seit über 38 Jahren an der VHS. Ich saß da, und fragte mich, ob ich auch noch in 30 Jahren unterrichte. Eigentlich war das nur vorübergehend, aber nun bin ich seit fast 7 Jahren hier. Vielleicht wird es ähnlich wie mit meinem Plan für Deutschland: Ich wollte nur ein Jahr bleiben;) und inzwischen sind es schon 25 Jahre;). Nichts hält länger als ein Provisorium?

50jähriges Jubiläum der VHS Grafing

Urlaub in Kroatien…

Seit einigen Jahren haben wir den Campingurlaub in Italien für uns entdeckt und fuhren mit zwei weiteren befreundeten Familien regelmäßig hin. Es war auch immer wunderbar, doch als in Italien die bekennende Faschistin zur Ministerpräsidentin gewählt wurde, beschlossen wir, unser Urlaubsgeld woanders auszugeben.

Zugegeben, dieser Schritt ist ein wenig scheinheilig, denn wir essen weiterhin italienische Lebensmittel und trinken italienischen Wein. Und nicht alle in Italien sympathisieren mit Faschisten. Und schließlich leben wir in Deutschland, wo die rechts- und linksextremen Tendenzen beunruhigend zunehmen, sollen wir jetzt wegziehen? Aber wohin? Hier stellt sich mir meine Lieblingsfrage: „Was können wir als Einzelne bewirken?“ Wo ist die Grenze für Ignoranz? Ist die Ignoranz womöglich die Ursache der meisten Probleme unserer Zeit?

Wie dem auch sei, der Italien-Boykott war ein guter Anlass, auch mal etwas anderes zu sehen, z.B. die andere Adriaküste. Das Leben ist meiner Meinung nach zu kurz, um nur noch Urlaub in Italien zu machen.

Die Wahl fiel auf Kroatien, auf das Camping Omisalj auf der Insel Krk. In der Beschreibung stand, dass es sogar über Sandstrand verfügt. Ein klares Argument für unsere Freunde mit dem arthrosekrankem Hund.

Kvarner Bucht
Mutet eher wie ein See an – in der Bucht ist das Meer ruhig, man sieht Berge und gegenüberliegende Ortschaften (Rijeka und Kostrena)

Tja, die Realität war dann doch etwas anders als im Prospekt: Es gab nämlich keinen Sand, nur Steine. Und wie es sich herausgestellt hat, war hier noch Vorsaison, noch nicht alles hatte geöffnet und nur wenige Gäste auf dem Camping. Was natürlich auch einige Vorteile hatte.

Das Meer war noch deutlich zu kalt, aber ich ging trotzdem rein, denn ich liebe es, zu schwimmen und komme leider viel zu selten dazu. Zum Glück gab es noch einen schönen Pool, wo ich meine Bahnen ziehen konnte.

Kurz vor dem Sturm
Kurz vor dem Sturm

Alles in allem war der Urlaub eine tolle Erfahrung, und es gab viel zu entdecken. Spannend, wie anders sich das Leben und die Kultur auf der anderen Seite desselben Meeres entwickelt hat! Kroatien ist sicher noch eine weitere Reise wert.

…und Ahnen-Spurensuche

Ich hatte noch ein ganz eigenes Interesse, nach Kroatien zu reisen.

Mein Opa in der Ukraine hat früher erzählt, dass unsere Vorfahren sogenannte weiße Kroaten waren, die von den Nomaden aus ihren Gebieten vertrieben wurden und sich in den ukrainischen Karpaten niedergelassen haben. Oder vielleicht war es auch ganz anders gewesen, wer weiß.

Das genau nachzuvollziehen, ist relativ schwierig, denn die russischen Besatzer haben viele historische Dokumente systematisch vernichtet. Das Ziel war, die Geschichte zu fälschen und einen neuen Menschentyp zu schaffen: Homo Sowjetikus, ein entwurzeltes, willenloses, obrigkeitshöriges Wesen, unfähig zum kritischen Denken. Und bereit, alles für das Kollektiv und die wahnhafte Idee des Kommunismus zu geben. Das ist leider teilweise gelungen, und es werden noch viele Jahrzehnte der Umerziehung nötig sein, bis die postsowjetischen Gesellschaften dieses schreckliche Erbe überwinden.

Also blieb die Geschichte von den weißen Kroaten eine Art Legende, im Schulprogramm wurde sie mit keinem Wort erwähnt, und wahrscheinlich weiß heute kaum einer über die mögliche Verbindung. Am ehesten könnten noch die Wissenschaftler an der Universität in Uzhorod etwas über die Geschichte unserer Region wissen. Eines Tages, wenn die Ukraine wieder frei und unabhängig ist, werde ich Nachforschungen anstellen.

Ich hatte in Kroatien nichts Spezielles erwartet, war nur neugierig auf das Land und die Sprache und ob ich überhaupt Hinweise auf die Herkunft meiner Vorfahren finde. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich nur wenig über Kroatien wusste, außer dass es nach der Unabhängigkeitserklärung von Serbien angegriffen wurde.

Doch dann entdeckten wir auf der Autobahn einen Ortsschild mit dem Namen „Kostrena“, und wurden sehr neugierig. Die Sache war, dass meine Mutter und ich beide im Dorf namens Kostryno in der Ukraine geboren wurden. Ich erinnerte mich noch, dass die Älteren unser Dorf eher Kostrina als Kostryno genannt haben. Spannend!

Ortsschild Kostrena

Am nächsten Tag wurde Regen und Wind angesagt, also beschlossen wir, nach Kostrena zu fahren, zumal es von unserem Camping nur etwa 20 Kilometer waren.

Das kroatische maritime Kostrena ist so ganz anders als mein Heimatdorf in den ukrainischen Karpaten. Es erstreckt sich entlang der Küste als Vorort von Rijeka und besteht aus einem Dutzend kleinen Ortschaften. Wegen seiner schönen Strände und ausgeprägtem Nachtleben gilt es als Geheimtipp für die Urlauber.

Wir verbrachten einen wunderschönen Tag in Kostrena, sind am Strand-Wanderweg gelaufen und haben sehr lecker gegessen.

Schmids Hammer
Ich hatte ein unfassbar leckeren Fisch gegessen, den ich sonst nicht kannte-den Petersfisch. Eine weitere Entdeckung: Kartoffel-Mangold-Püree (blitva)
Auch anderen Familienmitgliedern hat es gemundet- Leere Teller im Restaurant
Auch anderen Familienmitgliedern hat es gemundet;)

Gerne hätten wir noch die prähistorische Siedlung Solin, gegründet im zweiten Jahrtausend vor Christus, besucht, aber der Fußweg dorthin wäre bei der Hitze zu beschwerlich.

Es bleibt ein spannendes Geheimnis, ob ukrainisches Kostryno mit kroatischem Kostrena etwas zu tun hat. Jedenfalls ist die sprachliche Gemeinsamkeit zwischen Kroatisch und Lemkisch, unserem vom Aussterben bedrohten regionalem Dialekt, frappierend. Einige kroatischen Wörter wurden früher von den Älteren noch benutzt, aber inzwischen kennt sie kaum einer. Glücklicherweise war meine Mutter dabei, die sich noch an viele dieser veralteten Begriffe erinnern konnte und inzwischen ein Wörterbuch dazu angelegt hat.

Lopta -Ball
„Lobda“ (Ball) – ein typisches veraltetes Wort in meinem Dialekt, aber lebendig im kroatischen Sprachgebrauch

Next Level der russischen Kriegsverbrechen – Sprengung des Kachowka-Damms

An unserem letzten Urlaubstag, da wollten wir den Strand und das inzwischen etwas wärmeres Meer genießen, erreichte uns eine schreckliche Nachricht. In dem von der russischen Armee besetzten Gebiet nahe Cherson wurde der riesige Kachowka-Damm gesprengt und eine ökologische und humanitäre Katastrophe bahnte sich an. Dutzende Ortschaften standen innerhalb weniger Stunden unter Wasser, Tausende Menschen mussten ihr Hab und Gut zurücklassen. Aber wie viele sind in den Fluten umgekommen, weil sie sich retten konnten? Ganze Ökosysteme mit Wildtieren, Feldern und Wiesen wurden auf Jahrzehnte zerstört.

Die Bilder der zu Tode verängstigten Haustiere, die verzweifelt an den Dächern oder auf einem Stück Treibholz ausharrten, haben zum zigsten Mal seit Kriegsbeginn mein Herz gebrochen. Ich musste zuerst hemmungslos weinen, an diesem wunderschönen kroatischen Strand, umgeben von sorglosen Menschen mit ihren Picknickdecken, Eisbechern und Luftmatratzen. Surreal.

Als wäre das nicht genug, beschoss die russische Armee die ukrainischen Rettungsboote. Der Großteil der überfluteten Gebiete liegt in der Besatzungszone, und dort wurden nur die mit dem neu erworbenen russischen Pass gerettet, alle anderen wurden ihrem Schicksal überlassen. Augenzeugen beichten über schreckliche Szenen, über zahlreiche schwimmende Tier – und Menschenleichen in den Straßen.

Was sind das nur für grausame Wesen, die so etwas anrichten? Sind das überhaupt noch Menschen oder streifen sie abends die Menschenhaut ab und verwandeln sich in seelenlose Zombies? Programmiert, um die Erde zu zerstören oder zumindest die Ukraine, das fruchtbarste Fleck Europas, unbewohnbar zu machen? Denn jetzt drohen sie, taktische Atomwaffen einzusetzen und das Atomkraftwerk Saporischschja in die Luft zu jagen.

Mein zweiter ehemaliger Klassenkamerad im Krieg gefallen

Fast jede ukrainische Familie hat inzwischen Kriegstote zu beklagen oder kennt jemanden, der an der Front oder durch russischen Terror gestorben ist. Der Krieg ist allgegenwärtig, und ich weiß nicht, wie die Menschen diesen Schmerz aushalten können.

Gefallener ukrainischer Soldat
Mein ehemaliger Klassenkamerad Sych Jaroslav, gefallen an der Front. Das ist der zweite aus meiner Klasse. Ruhe in Frieden und danke, dass wir unser Leben leben können.

Was sonst noch los war

  • Mein ältester Sohn spielt Klavier in einem Impro-Konzert
  • unser Bioladen verschwindet klang- und sanglos. Schade! Ich muss aber zugeben, dass ich dort nicht übermäßig viel gekauft habe. Jetzt ist es zu spät.
Bioladen Tagwerk in Markt Schwaben schließt

Diese Artikel habe ich im Mai und Juni verbloggt:

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